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Kritische Betrachtung moderner Erziehung

20. Januar 2026

Eine essayistische Auseinandersetzung mit der Kritik von Erziehungswissenschaftler Roland Reichenbach an modernen Erziehungsmethoden.

Symbolbild

In den Fünfzigerjahren war die Erziehung der Kinder viel strenger und brutaler für das Kind. Die Eltern befahlen über die Kinder, und wenn die Kinder nicht machten, was sie sollten, wurden sie gerne auch mal geschlagen. Auf die Bedürfnisse des Kindes wurde weniger eingegangen. Erziehung war Sache der Frau und der Mann verdiente das Geld. Diese alten Erziehungsmethoden und alten Gesellschaftsstrukturen, da sind wir uns alle einig, waren nicht positiv und wurden daher geändert. Die heutigen Erziehungsmethoden sind viel humaner und besser als früher. Es wird dem Kind nicht nur befohlen, sondern das Kind steht im Mittelpunkt, auf die Bedürfnisse des Kindes wird Acht gegeben, Erziehung ist heute individueller. Laut einem Artikel von Stern.de zeigen die heutigen Erziehungsmethoden positive Auswirkungen. Eine Studie hat ergeben, dass sich Kinder im Alter von 9 bis 14 Jahren im Jahr 2019 in ihren Familien wohler gefühlt haben als noch fünf Jahre zuvor. Mehr als 90 % der befragten Kinder gaben an, sich bei ihren Eltern sicher und geliebt zu fühlen, und über 90 % sagten, sie hätten ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern. Zudem interessieren sich Kinder mehr für Politik und haben Respekt vor dem Gesetz. Weniger Jugendliche rauchen und sie beginnen später mit dem Trinken. Auch die Kriminalitätsrate sinkt seit Jahren. Man kann also sehen, dass die modernen Erziehungsmethoden Wirkung zeigen. Doch es gibt auch Kritikpunkte an der heutigen Erziehungsform. So kritisiert der Erziehungswissenschaftler Roland Reichenbach im Magazin vom 24.10.2025 zum Beispiel die falsche Beziehung zum Kind, welche viele Eltern heute haben. «Ich glaube, heute wollen die Eltern zu sehr von ihren Kindern geliebt werden.» (Z. 6-7) Dies sei nicht gut für das Kind. Ist die heutige Erziehung gut für die Entwicklung der Kinder, oder war früher alles besser?

Ausserdem kritisiert Reichenbach die heutige Unaufrichtigkeit mit dem Kind. Er ist gegen den Ausdruck «auf Augenhöhe mit dem Kind», denn wenn Eltern bestimmen wollen, gäbe es automatisch eine Asymmetrie. Reichenbach argumentiert, dass man früher genau das befahl, was man vom Kind wollte. Heute wird gefragt, aber wenn nicht die richtige Antwort kommt, wird das nicht akzeptiert. Dies sei unaufrichtig. Ein Problem darin sehe ich persönlich nicht. Als Elternteil ist es schöner, mit dem Kind nett und höflich umzugehen. Auch ein Kind ist ein freier Mensch und soll selbstbestimmen können. Da aber die Gehirne der Kinder noch nicht ganz ausgewachsen sind und daher viele Überlegungen falsch sind, sollte man den Kindern zumindest ein Gefühl von Selbstbestimmung geben. Zu erreichen ist das ganz einfach mit diplomatischen Fragen.

In der Vergangenheit war sicherlich etwas vom Schädlichsten für die Kinder, geschlagen zu werden. Zum Glück werden in der heutigen Zeit solche Erziehungsmethoden von der Gesellschaft verurteilt und sie sind auch gesetzlich verboten. Es ist für mich schwer vorstellbar, wie liebende Eltern ihre Kinder schlagen können. Denn es ist nicht einfach nur schmerzhaft für das Kind, nein es beeinträchtigt auch massiv die Entwicklung eines Kindes. Abgesehen von zum Glück seltenen bleibenden physischen Schäden trägt eine gewaltvolle Erziehung vor allem zu psychischen Schäden bei. Diese Schäden prägen nicht nur das Kind selbst stark negativ, sondern auch das spätere Umfeld des inzwischen erwachsenen Kindes. Diese negativen Einflüsse des Schlagens auf Kinder wurden schon viele Male in Studien wissenschaftlich bewiesen. Wer nach solchen Erkenntnissen seine Kinder immer noch schlägt, ist ein Unmensch.  

Es sollte auch klar sein, dass sich aus einer respektvollen, liebevollen Erziehung ein besserer und netterer Mensch entwickelt. Erleidet jemand in seiner Kindheit nur Bosheit und Unterdrückung, wird er diese Aspekte aus dem Umgang mit Menschen viel besser kennen und auch weitertragen. Man sollte also mit seinem Kind so umgehen, wie man will, dass das Kind später mit anderen umgeht. Natürlich muss man dem Kind klarmachen, was es tun soll, und es mit einer gewissen Autorität lenken, denn es weiss es selbst nicht besser. Wie Reichenbach sehr schön sagt: «Autorität ist ein ambivalentes Phänomen, man muss ihre Schwächen kennen, aber auch ihre Stärken.» (Z. 12-13)

Reichenbach kritisiert, dass die Eltern heute immer ihre Kinder schützen wollen und nicht auf der Seite der Schule sind. Dies finde ich eine problematische Meinung. Als Elternteil möchte ich auf der Seite des Kindes sein. Denn auf der Seite der Schule ist eine ganze Organisation, man kann fast sagen, der ganze Staat. Wer ist an der Seite meines Kindes ausser mir? Niemand. Daher sollen Eltern ihre Kinder schützen und auf ihrer Seite sein.

Die Entwicklung der Kinder wird mit den heutigen Erziehungsmethoden sehr gut gefördert. Sie sind individuell, geben dem Kind ein Gefühl von Freiheit, fördern die Bildung eines guten Charakters und geben dem Kind einen Mitstreiter für die Herausforderungen, die das Leben bietet. Nein, früher war eindeutig nicht alles besser. Alte Erziehungsmethoden führten hauptsächlich zu einer schlechteren Entwicklung der Kinder. Jedoch wollten die Eltern früher nicht so sehr von ihren Kindern geliebt werden, was besser war. Man sieht, es gab auch gute Aspekte, jedoch überwiegen die Negativen. Erziehung soll nicht ein starres Befehlen wie früher sein, sondern ein Führen des Kindes an der Hand.